Bodenarbeitskurs mit Iris Kleber

Theorie I und Kommunikation am Boden-ONLINE am 29.06.2013

geschrieben von Katrin Lamprecht

 

Bodenarbeitskurs – hä? Was ist das? Braucht man das denn? Wieso denn das?

Ohne Reiten – aber mit Pferden? Ist das nicht langweilig? Aha – und was lernt man da?

All diese Fragen standen im Raum oder man konnte sie quasi von der Stirn des Gegenübers ablesen, als die Freizeitwartinnen des IPRW e.V. Meike Lohbeck und Regina Illgner beschlossen, eine externe Trainerin für Pferdekommunikation an den Hirtenhof zu holen.

Man kann darüber geteilter Meinung sein, ob es wirklich notwendig ist, aber immer mehr Reiter kommen zu dem Schluss: Probleme mit meinem Pferd kann ich besser von unten klären – um erst mal eine Basis zu schaffen. Das fängt beim Jungpferd an. Die ersten Schritte erfolgen vom Boden aus. Zügelführung, auf Druck weichen, die Beziehung zum Reiter – all das lernt das Pferd vom Boden aus. Erst dann geht’s von oben aus weiter. Und ganz wichtig – und schön für den Menschen – Erfolgserlebnisse stellen sich fast sofort ein. Pferde lernen unglaublich schnell aber in kleinen Schritten und jedes natürlich in seinem Tempo. Der Mensch muss nur wissen wie. Und wenn es nicht klappt – muss er wissen warum.

Ziel dieses individuell auf den Hirtenhof zugeschnittenen Kurses war es, eine Weiche zu stellen. Einem interessierten Kreis, eine andere Art von Kommunikation mit dem Pferd näher zu bringen. Generell sollte es das Ziel von allen Teilnehmern sein, eine klare Kommunikation mit dem Pferd vom Boden aus zu haben – auf der Grundlage von Vertrauen und Respekt und durch Einbeziehung der natürlichen Verhaltensweisen von Pferden. Die Führungsqualität sollte so ausgebaut werden dass unser Pferd uns zum Führer unserer Zweier-Herde wählt. Unsere Hilfsmittel waren Knotenhalfter und Führseil. Fernziel wäre eine Kommunikation ohne dieses Equipment.

Iris Kleber vermittelte einer Gruppe von 12 Reiterinnen mit ganz unterschiedlichem Wissens- und Trainingsstand zuerst einmal in einem 3stündigen Theorieblock einen gewissen Grundstock an Kenntnissen. Hier ging es um natürliches Herdenverhalten, Zonologie (die 5 Zonen am Pferd), die Grundbedürfnisse der Pferde (insgesamt nur vier), die Gründe weshalb Pferde nicht reagieren (es gibt nur drei) und ganz wichtig; wie erkenne ich den Charakter meines Pferdes. Das war wohl für einige ganz neu. In welchen Quadranten eines Koordinatenkreuzes kann ich mein Pferd einordnen. Ist es mehr introvertiert oder extrovertiert? Auf welcher Gehirnhälfte bewegt es sich mehr – auf der linken (lernen/dominant) oder auf der rechten (emotional/ängstlich). Am Ende dieses Tages hatten wir es fast alle herausgefunden.

Einige weitere Aha-Erkenntnisse folgten. Weshalb beruhigen sich Pferde, wenn sie den Kopf herunternehmen und wie kann ich mir das zu Nutze machen? Cool, das Herunternehmen des Kopfes bewirkt den Ausstoß eines bestimmten Hormons, das dem Pferd den Stress nimmt. Genial! Also bringe ich ihm bei, auf ein Zeichen den Kopf herunterzunehmen.

Was mein Pferd mit dem linken Auge gesehen hat, hat es mit dem rechten noch nicht wahrgenommen. Uiujuijui – deshalb erschreckt es sich beim Zurückkommen erneut vor der Vogelscheuche – ahaaaaaa!!!!!

Warum ist die linke Seite des Pferdes nicht so empfindlich wie die rechte? Na, diese Frage kann sich jeder nun selbst beantworten. Leider können wir nicht alle Aspekte dieses Theorieteils wiedergeben aber eines ist sicher – es war hoch interessant und auch sehr unterhaltsam dank der fröhlichen, unkomplizierten Art von Iris Kleber.

Nach der Mittagspause traf man sich in der Halle mit Knotenhalfter und Führseil wieder. 10 „Reiterinnen“ und zwei Zuschauer verteilten sich mit den Pferden in der Halle. Nun ging es darum, das eben Gehörte in praktische Übungen zu packen. Die Frage „Wer bewegt wen?“ schwebte über unseren Köpfen. Und glaubt einer Teilnehmerin:“Ehe du Dich´s versiehst, hat das Pferd die Oberhand und bestimmt wo´s langgeht. Auch wenn Du das gar nicht so vorgesehen hattest“.

Da unsere Trainerin eine Pat Parelli-Ausbildung absolviert hat, arbeiteten wir mit den „ersten 3 Spielen“:

  1. Friendly Game (Freundschaftsspiel)
  2. Porcupine Game (Weichen auf physischen Druck)
  1. Driving Game (Weichen auf mentalen Druck)

Wie das dann in Vollendung aussieht, kann auf der Homepage www.iriskleber.de angeschaut werden. Wie es aussieht, wenn man es gerade lernt, wird in Fotos auf dieser Homepage www.iprw.de unter Fotogalerie/Bodenarbeitskurs dokumentiert.

Fazit: Einige von uns hoffen auf Fortsetzung und wollen sich zum Üben und Vertiefen des eben gelernten auch gerne mal treffen. Wer Interesse hat, meldet sich bei meike_lohbeck@web.de.