Dualtraining – Kombination aus Sitz- und Einwirkungsverbesserung: Training bei Caro und Nicole auf dem Hirtenhof/Wehrheim

Von Katrin Lamprecht

Am 1.4.2011 bei strahlendem Sonnenschein startete der dreitägige Reitkurs „Dualtraining, Sitz und Einwirkung“ auf dem Hirtenhof in Wehrheim. Es war schon der zweite Kurs dieser Art, den Nicole Rubel-Leibold (IPZV-Trainerin B) und Caroline Kühn (IPZV-Trainerin C und ausgebildete Physiotherapeutin) sozusagen im Tandem abhielten.

 

Da speziell das ältere Reitersemester auf unserem Hof (diejenigen, die sich erst spät den Wunsch nach einem eigenen Pferd erfüllen konnten) immer wieder festgestellt hat, wie schwer es ist, seinen Körper in Einklang mit dem des Pferdes zu bringen, um ein für beide Seiten zufriedenstellendes Reiterlebnis zu haben, baten wir unsere Physiotherapeutin vor Ort, sich doch mal speziell um unseren Sitz zu kümmern. Das tat sie mit großem Erfolg.

 

In der Reithalle wurde in der Mitte ein großes Rechteck mit Flatterband abgesteckt, so dass zwischen Bande und Viereck ein Treibweg entstand. Somit hatten die Pferde keine andere Wahl, als geradeaus zu laufen. Sie wurden gesattelt und aufgetrenst und dann hatte jeder Teilnehmer eine ganz individuelle Einzelstunde. Wir ritten im Schritt und dann je nach Problem im Trab, Tölt und Galopp mit relativ wenig Zügeleinwirkung. Sofort sah Caroline, wo es haperte. Probleme beim Angaloppieren?
„Mach mal deine Knie auf!“, kam da die Anweisung und schon ging es los – im richtigen Galopp. Eine breitere Handhaltung führte plötzlich zur `stolzen Haltung´ und dadurch zu mehr Sattelkontakt. Bei jemandem, der beim Reiten vor lauter Anstrengung gerne die Zähne zusammenbeißt und sich dadurch auch noch verspannt, konnte mehr Durchlässigkeit im Körper erreicht werden, indem der Reiter die Zunge an den Gaumen drückte. Sogar die Beine lagen danach locker an. Sie brachte uns dazu, tief in den Bauch und die verlängerte Wirbelsäule zu atmen, so dass der Schwerpunkt letztendlich wirklich im Sattel lag. Durch Drehbewegungen der Brustwirbelsäule beruhigten wir unseren Parasympathikus, wodurch sich Po und Beine ebenfalls entspannten. Auch an der Beweglichkeit der Brustwirbelsäule tat sich einiges. Eine kleine Kipp-Bewegung des Beckens brachte einige von uns dazu, die Beine in der richtigen Stellung zu halten und nicht mehr ins Hohlkreuz oder nach vorne zu fallen. Die Spannung in den Oberschenkeln, die einige Pferde am Tölten hinderte, konnte abgebaut werden.

 

Es war verblüffend, welche Wirkung mit einer kleinen Haltungskorrektur erzielt werden konnte. Im Anschluss nahm Caro dann noch einmal jeden von Nahem in Augenschein und platzierte ihn auf ihrem `BALIMO Stuhl´, der speziell zur Sitzverbesserung für Reiter entwickelt wurde. Eine ziemlich wackelige Angelegenheit, denn die Sitzfläche geht mit der Bewegung mit. Durch das unruhige Sitzen wird die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule geschult, die darunter befindlichen Muskeln werden gekräftigt und Blockaden im Beckenbereich gelöst. So konnte sie uns das Kippen des Beckens, die Haltung der Schultern und der Körpermitte noch einmal demonstrieren und korrigieren.

Am Abend trafen wir uns dann alle zur Reitergymnastik, wo das Kräftigen und Dehnen der beim Reiten beanspruchten Muskelgruppen im Mittelpunkt stand.

 

Nach 2 Korrektureinheiten zum richtigen Sitz, kam Nicoles Einsatz. Sie half uns, das soeben neu erlernte Körpergefühl beim freien Reiten in schnellerem Tempo umzusetzen, …und traute ihren Augen kaum.
Bei allen waren überraschende Fortschritte festzustellen. Sie krönte unsere Bemühungen noch mit weiteren sehr hilfreichen Tipps und Tricks und übernahm sozusagen das Feintuning.

 

Der `weite Blick´ verhalf uns zu einer aufrechteren Haltung und lenkte von zu viel Nachdenken ab, was ja bekanntlich auch blockiert. Eine Gewichtsverlagerung in die Steigbügel wirkte wahre Wunder beim Galoppieren. Bei einem Pony musste sie Pferdepsychologie einsetzen. Hier trainierte sie mit der Reiterin eine regelrechte Beschäftigungstherapie…und siehe da, das Pferd, zuerst wenig lauffreudig, entwickelte Eifer und Ehrgeiz.

 

Manchmal kann Reiten so einfach sein – mit der richtigen Hilfestellung von Außen – versteht sich.