Wissen, Entscheiden, Helfen, Vermeiden

Am Samstag, den 19. Februar 2011,  fand auf dem Hirtenhof ein Erste-Hilfe-Kurs unter der Leitung von Dr. med. vet. Beate Schäfer statt. Der Kurs hatte das Ziel, einer Gruppe von 20 Einstellern und Interessierten aufzuzeigen:

  • Wie verhält sich ein krankes Tier?
  • Muss ich den Tierarzt kommen lassen und wenn ja, wie dringend ist es?
  • Welche Maßnahmen können/müssen ergriffen werden bis der Tierarzt kommt?
  • Wie können Unfälle vermieden werden?
  • Wie verhalte ich mich bei akut auftretenden Problemen während eines Ausrittes (Pferd will nicht mehr vorwärts gehen, lahmt etc.)?

Ein kleiner Anatomie-Exkurs brachte uns zunächst Grundsätzliches näher, wie z.B. den komplizierten und sehr anfälligen Verdauungstrakt oder einen Vergleich der menschlichen Extremitäten mit denen des Pferdes. Wo befinden sich Knie und Ellenbogen?

Dann sollten wir erfahren, dass unser Islandpferd ca. 35-40 l Blut (1/12 des Gesamtgewichts)  durch die Venen pumpt, einen Herzschlag von 30 – 40 Schlägen pro Minute hat und die Atemfrequenz 8 – 16 Mal pro Minute beträgt. Die normale Körpertemperatur liegt bei 37,5 – 38 °C. Bei Belastung nehmen Atmung, Puls und Temperatur natürlich zu. Deshalb ist es sinnvoll, erst eine halbe Stunde nach einem Ausritt z.B. die Temperatur zu messen. Danach informierte uns Frau Dr. Schäfer über Symptome und deren Zuordnung zu den am häufigsten auftretenden Krankheitsbildern. Wie erkenne ich eine Kolik? Was kann ich bei einem Einschuss tun? Warum lahmt mein Pferd und welcher Fuß ist es? Kann es Rehe sein oder ein Hufgeschwür? Warum frisst es nicht und warum läuft der Futterbrei jetzt aus der Nase? Was hat es mit dem Durchfall oder der Verstopfung auf sich, was richten Parasiten an? Selbstverständlich erhielten wir auch Auskunft über die neuesten Ergebnisse in der Impfforschung.

Bei all diesen Fragen veranschaulichte unsere Tierärztin ihren Vortrag mit Exponaten wie Band- und Spulwürmern, einem Pferdeschädel mit intaktem Gebiss, einem Pferdebein-Skelett und seinem Innenleben.  An die Wand kamen verschiedene Schautafeln und jeder Teilnehmer erhielt ein Handout des Vortrags sowie eine informative Broschüre über Magen-Darm-Parasiten.

Zum Schluss gingen wir für die praktischen Übungen am Pferd in die Reithalle. Dort wurde Fieber gemessen, an verschiedenen Stellen der Puls gefühlt, mit dem Stethoskop der Herzschlag und die Darmgeräusche abgehört und schließlich legten wir einen Hufverband (mit einer Babywindel Gr. 4!!!), einen Röhrbein- und einen Druckverband an. Auch die Nasenbremse musste ausprobiert werden. Nach vier kurzweiligen und interessanten Stunden sind für uns jetzt jedenfalls Begriffe wie Kreuzverschlag, Einschuss, cranial, caudal, dorsal und ventral keine Fremdwörter mehr und wir könnten am Telefon (hoffentlich nicht sobald) perfekt über evtl. auftretende Symptome bei unseren vierbeinigen Freunden Auskunft geben.  Uns allen wünsche ich natürlich gesunde Pferde. Vielen Dank an Frau Dr. Schäfer für dieses tolle Seminar!

Katrin Lamprecht